Warum wir verpflichtenden Ethikunterricht an Schulen brauchen

Ethikunterricht wurde ursprünglich als verpflichtendes Ersatzfach für konfessionslose Schülerinnen und Schüler eingerichtet, die nicht am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht teilnehmen wollten oder sollten. In diesem Unterricht werden grundlegende Werte und Normen vermittelt und über Religionen und philosophische Fragestellungen diskutiert – und das in neutraler Weise.

Ethikunterricht wird ab der Unter- beziehungsweise Mittelstufe angeboten. Aktuell wird darüber diskutiert, ob Ethikunterricht bereits ab der ersten Klasse eingeführt werden sollte.

Meiner Meinung nach sollte der Ethikunterricht mehr als nur ein Ersatz-oder Wahlfach sein. Warum ich dieser Ansicht bin, werde ich in folgenden Punkten darlegen:

1. Im Ethikunterricht lernen Schülerinnen und Schüler wichtige Werte und Normen, die allgemein gültig und von besonderer Wichtigkeit im Umgang miteinander sind. Außerdem werden sie dazu angeregt, nachzudenken und sich kritisch mit sich und ihrem Leben, aber auch anderen Kulturen auseinanderzusetzen. Im Lehrplan des Religionsunterrichts findet dieser „ethische Teil“ allerdings nur wenig Platz.

2. Ethikunterricht verbindet die Schülerinnen und Schüler mehr als Religionsunterricht, der häufig separierend wirkt: Er trennt die Gläubigen von den Ungläubigen, die Evangelischen von den Katholischen. Im Ethikunterricht sind alle gleich und es interessiert niemanden, ob und an wen er glaubt.

3. Religion ist etwas ganz Persönliches. Jeder sollte seinen Glauben frei wählen und praktizieren dürfen. In diesem Bereich benotet zu werden, auch, wenn es feste Bewertungskriterien gibt, instrumentalisiert den Glauben. Viele Schüler fühlen sich gezwungen, den Ansprüchen und Vorstellungen des Lehrers gerecht zu werden, und passen ihre Ansichten für gute Noten an.

4. Deutschland ist eins der wenigen Länder, das noch Religionsunterricht in der Schule verpflichtet. Viele andere Länder wie zum Beispiel Frankreich sind für eine strikte Trennung von Kirche und Staat, weswegen Religion in das Privatleben fällt.

5. An Schulen, wo nur Religionsunterricht angeboten wird, haben es Atheisten deutlich schwerer, gute Noten zu bekommen. Dies liegt zum einen daran, dass sie im Privatleben keinen Zugang zur Religion gehabt haben (z.B. durch das Besuchen eines Kindergottesdienstes), zum anderen aber auch daran, dass sie häufig nichts mit den Unterrichtsthemen anfangen können.

6. Außerdem ist im Ethikunterricht eine Diskussionskultur erwünscht, in der die Schülerinnen und Schüler lernen, miteinander zu diskutieren. Natürlich finden auch Diskussionen im Religionsunterricht statt, aus Erfahrung allerdings sehr viel seltener. Oft ist Diskussion nicht erwünscht oder angebracht, wenn sich zum Beispiel mit Textstellen aus der Bibel beschäftigt wird.

7. Ethikunterricht grenzt Religion nicht aus, sondern verschiebt sie lediglich ins Privatleben. Andersherum ist es nicht ganz so einfach, da nicht alle Elternhäuser ihren Kindern die richtigen Werte und Normen vermitteln können. Deswegen ist Ethik als verpflichtendes Fach auch so wichtig, um jedem Kind, grundlegende Werte an die Hand zu geben.

8. Ethikunterricht trägt zu Integration, Toleranz und einem besseren Miteinander bei, da nur auf den Menschen und nicht seine Herkunft oder Glaubensrichtung geachtet wird. Genau das braucht unsere Gesellschaft heute. Gemeinsame Werte und gemeinsame Ziele.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.