Schulpflicht oder nicht?

Schon seit längerem fordern viele die Abschaffung der Schulpflicht, weil sie den Einzelnen in seiner Freiheit einschränke. Bildungs- statt Schulpflicht ist immer mehr Thema. Die Bildungspflicht erlaubt, dass Kinder von zu Hause aus unterrichtet werden können, entweder durch ihre Eltern oder Hauslehrer. Um jedoch zu garantieren, dass der Bildungspflicht nachgegangen wird, sollen am Ende eines Jahres Vergleichstests geschrieben werden, um den Bildungsstand zu überprüfen und vergleichen zu können. Wer garantiert jedoch, dass die Kinder Allgemeinwissen vermittelt bekommen und dieses nicht durch ideologische Ansichten ihrer Eltern/Hauslehrer geprägt ist?

Ein bedeutender Vorteil der Schulpflicht ist der Austausch mit Gleichaltrigen und somit auch das Erlernen sozialer Kompetenzen, welche leider nicht in allen Elternhäusern ausreichend vermittelt werden können. Leider machen viele Schülerinnen und Schüler auch unschöne Erfahrungen mit diesem Austausch in der Schule. Mobbing ist und bleibt ein großes Problem, allerdings sehe ich in der Isolation durch Hausunterricht keine Lösung, da später in der Arbeitswelt ähnliche Probleme auftreten können und einen niemand davor bewahren kann. Es geht vielmehr darum, wie mit Mobbing an den Schulen umgegangen wird.

Die Schulpflicht ist meiner Meinung nach besonders wichtig, um relative Chancengleichheit sicherzustellen. Eine allgemeine Schulpflicht gewährleistet, dass Bildung für alle zugänglich ist, unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Einkommen. Ohne Schulpflicht würden wir schnell in eine Zweiklassengesellschaft rutschen, in der Bildung erneut zum Privileg der Oberschicht wird. Mit der Schulpflicht wird auch Kindern aus sozialbenachteiligten Verhältnissen die Möglichkeit gegeben, mit Bildung in Kontakt zu kommen. Diese kann für viele der Schlüssel dafür sein, um später ein besseres Leben führen zu können.

Ohne Schulpflicht würde unsere Gesellschaft langsam verdummen. Wollen wir diesen Preis in Kauf nehmen für mehr Freiheit und Selbstbestimmung? Wiegt das eine das andere auf?

Wer würde von euch noch freiwillig die Schule besuchen? Bestimmt einige, aber ein Großteil auch nicht. Schaut man sich eine Klassengemeinde in der 5.Klasse an und vergleicht die Anzahl der übrig gebliebenen Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe, die freiwillig zu absolvieren ist, sieht man, dass die Gruppe deutlich kleiner geworden ist. Wenn wir uns jetzt aber vorstellen, dass alle Menschen ein Teil unserer Gesellschaft sind und diese auch mitbestimmen (z.B. durch Wahlen), wäre es doch katastrophal, wenn ein großer Teil ungebildet wäre.

Dennoch denke ich, dass wir die Schulpflicht attraktiver gestalten könnten, wenn wir den Schülerinnen und Schülern mehr Freiraum geben, sich persönlich zu entfalten und sich mit ihren Interessen zu beschäftigen. Die Leistungskurse in der Oberstufe sind ein Schritt in die richtige Richtung. Dort kommen Menschen zusammen mit ähnlichen Interessen und Stärken. Das Lernklima ist gleich ein viel Besseres. Außerdem sollte meiner Meinung nach mehr Praktisches wie eine Einführung in Finanzen, Steuern und Recht in der Schule vermittelt werden, was man in seinem späteren Leben tatsächlich gebrauchen kann, auch, wenn meine Mathelehrerin immer der Ansicht war, dass es der Pythagoras sei.

Viele Schülerinnen und Schüler gehen auch nur zur Schule, weil sie müssen. Das macht sich an ihrem Sozial-und Arbeitsverhalten, der Beteiligung im Unterricht und den Klausuren sowie an der Anzahl der Fehltage deutlich. Viele fühlen sich unter Druck gesetzt und zu Leistung gezwungen. Aus diesem Grund machen sie dicht. Dass das heutige „Bulimielernen“ weder gesund noch sinnvoll ist, ist auch längst bekannt, doch leider basiert unser Schulsystem noch immer darauf. Anstatt sich damit zu beschäftigen, die Schulpflicht abzuschaffen, sollten wir uns meiner Meinung nach um eine Verbesserung des Schulsystems kümmern. Das erfordert weniger Aufwand, als unser Bildungssystem komplett zu revolutionieren, indem der Bildungsauftrag in die Hand des Einzelnen gelegt wird, und ist in meinen Augen auch die einzig plausible Lösung hinsichtlich der Zukunft.

 

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