Schönheit in der Philosophie und heute

Schönheit zu definieren ist schwer. Sie zu beschreiben ebenfalls.

Was genau ist Schönheit? Gibt es das absolute schön? Kann man Schönheit vergleichen?

Im historischen Rückblick haben Philosophen immer wieder versucht, absolute Schönheit nachzuweisen. Die „Ästhetik“ als philosophische Disziplin entwickelte sich allerdings erst im 18. Jahrhundert. Doch auch heute noch spielen Schönheit und das Streben danach im Alltag vieler Menschen eine zentrale Rolle. Wir leiden, haben wir das Gefühl, nicht schön zu sein, und investieren viel Zeit und Geld in Kosmetik, Diäten oder Operationen, um schön zu werden.

Was ist schön? Was ist hässlich?

Platon setzt das Schöne mit gut und wahr und das Hässliche mit böse und falsch gleich. Im Mittelalter definierte man das Hässliche durch Mangel an Sein. Allerdings kann das Hässliche auch als Kontrastfunktion wirken, indem das Schöne umso wirkungsvoller gegenüber dem Hässlichen erscheint. Kann die Darstellung von etwas Schönem hässlich sein? Kann die Darstellung von etwas Hässlichem wie Krieg schön sein? Ja, wenn es wahr ist, würde Rodin sagen. Etwas Hässliches könne schön sein, wenn es wahr ist.

Können wir Schönheit beurteilen?

In Kants Kritik der Urteilskraft schlussfolgert er, dass es sich bei der Entscheidung, ob etwas schön sei oder nicht, um ein Geschmacks- und kein Erkenntnisurteil handele, da der Bestimmungsgrund ästhetisch und nicht logisch sei. Eine Beurteilung von Schönheit treffen wir folglich nicht durch unseren Verstand, sondern durch Einbildungskraft auf das Objekt, die eventuell mit dem Verstand verbunden ist, aber vielmehr mit unserem Gefühl der Lust oder Unlust. Was laut Kant jedoch keine Rolle bei der Beurteilung von Schönheit spielen sollte, sind Moral und das Interesse an der Existenz der Sache. Der Arbeitsaufwand und die Arbeitsbedingungen, unter denen zum Beispiel ein prächtiges Schloss (hier: Schloss Belvedere, Wien) gebaut wurde, sollen bei der Beurteilung der Schönheit keine Rolle spielen. Das Gleiche gilt für das Angenehme. Der Appetit auf Früchte, die in einem Stillleben dargestellte werden, darf nicht mit dem Schönen verwechselt werden, da das Angenehme vergnüge und nicht wie das Schöne bloß in der Darstellung gefalle. Daher definiert Kant Schönheit als „interesseloses Wohlgefallen“.

Schönheit heute

Was die Gesellschaft als schön empfindet, verändert sich im Laufe der Zeit. Damals galten möglichst helle Haut und wohlernährte Frauen als schön, was gleichzeitig davon zeugte, dass sie nicht arbeiteten und einen gewissen Wohlstand und Status in der Gesellschaft hatten. Heutzutage gilt eine sportlich-schlanke Figur mit großem, trainierten „Kardashian-Po“ als das Schönheitsideal für Frauen.

Wir bezeichnen etwas als schön, was einen besonders angenehmen und positiven Eindruck hinterlässt: ein schönes Gemälde, ein schönes Lied, ein schönes Erlebnis. Unser Schönheitsempfinden ist natürlich von Umwelteinflüssen geprägt.

Gibt es allgemeingültige Merkmale für Schönheit?

Jugendlichkeit, reine Haut, bei Frauen ein Gesicht, das dem Kindchen-Schema entspricht, und Symmetrie – aus evolutionsbiologischer Sicht empfinden wir diese Merkmale als attraktiv, weil sie für Gesundheit und Reproduktionserfolg stehen. Asymmetrie steht als Indikator für Krankheiten und Defizite in der biologischen Fitness und hohes Alter birgt Probleme bei der Zeugung von Nachkommen.

 

Ich denke nicht, dass wir Schönheit objektiv nachweisen können und auch nicht sollten, auch, wenn es evolutionsbiologische Begründungen gibt, warum wir Symmetrie, unbewusst oder bewusst, bevorzugen. Ich finde es unsinnig, Gesichter auf Symmetrie vermessen zu lassen, um daran festzustellen, wie schön eine Person ist. Es spielen so viele verschiedene Faktoren eine Rolle bei der Beurteilung von Schönheit. Zum Beispiel Charaktereigenschaften, die eine Person schön oder hässlich machen können. Schönheit einfach auszumessen, würde ihr nicht gerecht werden, und nimmt alles, was sie eigentlich ausmacht. Jeder Mensch hat bestimmte Vorlieben, die er/sie als schön empfindet. Wir können diese Kriterien einer anderen Person erklären, aber nicht erwarten, dass sie jetzt, wo sie unsere Vorlieben kennt, ihnen zustimmt, da es sich, wie Kant gesagt hat, um ein Geschmacks- und kein Erkenntnisurteil handelt. Was wir als schön empfinden, bleibt immer noch subjektiv und das ist auch gut so. Wo kämen wir bloß hin, wenn wir alle den gleichen Typ Mensch, die gleiche Musik und die gleiche Kleidung schön finden würden?!

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