Gott als Verb

Gott als Schöpfer, Gott als Richter oder doch nur Gott als weißer Mann in den Wolken?
Früher war Gott für mich ein weißer Mann mit langem Bart, der über den Wolken lebte. Man durfte ihn nicht zeichnen und es gab sowas wie die 10 Gebote. Heute, nachdem ich aus der Phase des Jugendatheismus‘ rausgewachsen bin, empfinde ich Gott nicht mehr als weißen Mann, oder höhere Macht. Gott ist für mich das, was alles auf unserer Welt nicht ist: Existieren.

 

„Ich bin, der ich bin“ (Mose 3,14)

Ich gehe mal einen Schritt zurück und versuche Gott begrifflich einzusortieren. Was haben alles Erlebtes auf der Welt gemeinsam? Sie existieren. Der Stuhl existiert genauso wie ich oder du. Er lebt zwar nicht, aber er existiert. Wenn ich einen Stuhl bauen möchte, dann hab ich seinen Bauplan vor Augen und denke daran, dass er einen Sinn hat: Damit ich mich draufsetzen kann. Dieser Stuhl ist aber nicht essentiell wichtig für mich, noch bevor er existiert. Das bedeutet, dass seine Essenz bzw. sein Zweck für mich ist erst erfüllt, wenn er existiert. Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied für meine Definition Gottes. Gottes Essenz ist seine Existenz! Gott ist Existenz!
Stell dir mal einen Läufer vor. Wahrscheinlich denkst du jetzt an einen Marathon-Läufer, während er gerade rennt. Jetzt stell dir das Verb „Rennen“ vor, aber ohne den Läufer. Na Klappt es bei dir auch nicht? Gott ist für mich genau das! Ein Verb, dass ohne den Läufer, also uns Menschen, keinen Gebrauch findet. Jeder von uns ist Gottes Läufer, der durch ihn existiert. Bereits Platon und Aristoteles sahen Gott als Schöpfer unserer Existenz.
Wenn du ein Bild malst, zeichnest du deine Gedanken auf ein Blatt Papier. Gott ist wie ein Zeichner unserer Selbst. Nur mit dem Unterschied, dass er uns die Existenz schenkt. Den Stolz, den du nach einem fertigen Meisterwerk empfindest, ist die Liebe, die Gott für uns hat.
Religion, Rituale und Co. Halte ich aus diesem Artikel bewusst raus. Genau so wie die Frage, wie dieser Glaube meinen Alltag beeinflusst. Für all die Kritiker unter euch möchte ich nur folgendes sagen: Mit dieser Erkenntnis hab ich mein Leben nicht bewusst geändert oder , wie einige denken könnten, mich treiben lassen und alles für vorbestimmt erklärt. Ganz im Gegenteil: ich verstehe jetzt erst, wieso ich das mache, was ich mache.
Um aber jetzt übliche Fragen, wie „warum gibt es dann das Böse auf der Welt“ oder „wieso zeigt sich Gott uns nicht“ zu vermeiden, spare ich euch und mir Zeit:

Warum gibt es dann das Böse auf der Welt?

Wie gesagt, ist Gott für mich der Schöpfer unserer Existenz und liebt und alle gleich. Diese Liebe verbirgt sich vorallem durch eine unfassbar wertvolle Eigenschaft: Freiheit! Er, oder lieber gesagt Es, gibt uns die Freiheit, das zu tun, was wir wollen. Demnach überlasst er es auch uns, ob wir hassen, töten und ob wir Gott verneinen.
In meiner Vorstellung gibt es auch Engel und Teufel, welche sich nur dadurch unterscheiden von uns Menschen, dass sie nicht endlich und sterblich sind. Demnach ist der Ursprung des Bösen auch durch unsere Fehlentscheidungen, den Sünden des Teufels zu folgen, weiterverbreitet. Dies hört sich auch sehr kurios an und bedarf einen komplett eigenen Artikel.

Wieso zeigt sich Gott uns nicht?

Gott tut genau das: Er zeigt sich. Lieb ihn, vertrau ihm und frag ihn einfach, wo er/es ist. Seine Existenz ist wie gesagt in jedem von uns zu erkennen – man muss nur bereit dafür sein und sich auf seine Liebe einlassen.

Bitte versteht mich nicht falsch: Jeder muss seinen eigenen Glauben finden und sich ein eigenes Bild machen. Wenn eine Person nicht an Gott glaubt, ist daran nichts verwerfliches! Ich versuche lediglich meine Sicht zu Gott zusammenfassend darzustellen.

6 Gedanken zu „Gott als Verb

  • November 6, 2018 um 23:09
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    Freiheit ist Gerechtigkeit, welche nur durch die uneingeschränkte Hingabe zum glauben an etwas wertvolleres als das alleinige Wohlbefinden erreicht wird. Dank an die Autorin für die schönen Ansätze.

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    • November 7, 2018 um 19:51
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      Vielen Dank Herr Wolf 😉

      Antwort
  • November 7, 2018 um 14:49
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    Diese und ähnliche Gedanken sind so alt wie die Menschheit, sie wurden zum Glück alle schon Beantwortet, bis auf das letzte Geheimnis und, so hat sich Gott auch uns schon gezeigt !

    Antwort
    • November 7, 2018 um 19:51
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      @Dieter Jahnke Gedanken kann man nicht beantworten-man kann sie lediglich kommentieren. Nur, weil solche Fragen bereits verschiedene Epochen geprägt haben, bedeutet dies nicht, dass es für unsere Zeit nicht von Wichtigkeit erlangen soll. Dieser Argumentation kann ich also nicht zustimmen.

      Antwort
  • November 7, 2018 um 22:31
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    Was für ein wundervoller, inspirierender Text.
    Danke dafür.

    Antwort
    • November 9, 2018 um 00:30
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      @Mirko vielen lieben Dank für Ihr bekundigkhed Interesse. Ich bin unfassbar erfreut, sowas zu lesen. Danke 🙂

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