Gegendarstellung zum Gay-Pride Beitrag

Vielen Dank an Jasmin für diesen Beitrag, es ist der erste volle Beitrag eines Lesers! Ursprünglich war es ein Kommentar, aber hat einen eigenen Beitrag völlig verdient!

In Gay Prides – oder jeder anderen LGBTQ Pride – geht es nicht ausschließlich darum, sich für das zu feiern, was man ist. Es geht viel, viel eher darum, dass man sich in der heteronormen Gesellschaft selbst bekennt und sich als nicht-hetero traut, dies offen zu zeigen und damit umzugehen. Denn ich denke, dass fast jede nicht-heterosexuelle Person (auch im ach so toleranten Deutschland!) mindestens einmal damit Probleme hatte, sei es aufgrund von Konflikten mit sich oder der Gesellschaft selber.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der fast jeder grundsätzlich davon ausgeht, dass die Person gegenüber eine Zukunft mit Jemanden des anderen Geschlechtes plant. Mädchen werden gefragt, ob sie denn schon einen Freund haben; Jungen werden gefragt, wie es denn mit den Frauen aussieht. Wenn ein Mädchen jemanden als „meine Freundin“ betitelt, wird davon erstmal ausgegangen, dass es eine ganz normale Freundin ist, aber wenn sie „Freund“ sagt, wird angenommen, dass es ihr fester Freund ist. Andersrum ist das natürlich genauso. Es wird quasi gar nicht erst in Betracht bezogen, dass die Person gegenüber nicht heterosexuell ist.

Auch ist es ein – noch viel größeres – Problem, dass man tatsächlich oft schief dafür angeguckt wird, wenn man sagt, dass man nunmal nicht (nur) das andere Geschlecht mag oder dass man sich richtig im eigenen Körper fühlt. Es passiert so, so häufig, dass man dafür beleidigt wird oder dass hinter dem Rücken der betroffenen Person gelästert bzw. dumme Witze gemacht werden. Ich persönlich habe mal jemanden nur im Gespräch erzählt, dass viele meine Freunde nicht hetero sind, worauf ich wirklich skeptisch angeschaut worden bin.

Als dritter Konfliktpunkt fällt mir noch ein, dass man sich oft „outen“ muss, damit Leute erst einmal kapieren, dass man eine/n Partner/in gleichen Geschlechtes hat oder danach sucht. Es muss quasi der Satz „Ich bin nicht hetero, ich bin xy“ o.ä. kommen, weil wieder davon ausgegangen wird, dass dem nicht so ist. Und noch viel wichtiger: Man weiß nicht, wie die Person gegenüber reagiert. Klar, als heterosexueller Mensch wird man immer akzeptiert, aber glaub mir, wenn ich sage, dass Homophobie größer ist als gedacht. Insbesondere die ältere Generation (sprich: Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel etc.) wurde im Normalfall nicht über das Thema aufgeklärt aufgezogen, weswegen einige tatsächlich nicht einmal daran glauben, dass es andere Sexualitäten gibt. „Das ist nur eine Phase.“ ist noch einer der harmlosesten Sätze, aber selbst das verletzt eine Person aus der LGBT-Community.

Dies und noch weitere Punkte birgt viele Identitätskonflikte, die ein heterosexueller Mensch nun einmal nicht hat. Heterosexualität wird als normal angesehen, alles andere fällt nicht mehr so leicht in die Spate. Und genau deswegen gibt es diese Prides – weil Leute endlich offen über ihre Sexualität reden und damit umgehen können, was sie zuvor nicht konnten. Weil sie damit offen zeigen können, was sie sind und sich nicht dafür auf irgendeine Weise schämen müssen.

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