Faserland – Ein Roman zum Nachdenken

Was ich von dem Roman Faserland  halte? Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht so genau. Was allerdings sicher ist: Ich habe ihn verschlungen und er hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Deswegen möchte ich ihn euch heute, unter dem aktuellen Thema des Monats „Identität“, vorstellen und mit euch darüber diskutieren.

Um Identität geht es nämlich in diesem Roman, vor allem um die eigene Identitässuche in der postmodernen Welt. Der Roman handelt von einer Reise quer durch Deutschland, angefangen von Sylt im Norden über Hamburg, Frankfurt, Heidelberg, München und Meeresburg am Bodensee im Süden und endet schließlich in der Schweiz, genauer gesagt in Zürich. Auf seinen Reisen, sprich im gesamten Verlauf des Romans, ist der namenlose Ich-Erzähler durchgehend alkoholisiert. An jedem der Orte trifft er alte Bekannte/ Freunde wieder, mit denen er exzessive Partys feiert. Der Protagonist beklagt sich über die Dekadenz seiner Generation, erkennt allerdings, dass er selbst auch dazugehört.

Der Ich-Erzähler stammt aus einem wohlhabenden Zuhause und hat keinerlei finanzielle Sorgen. Er legt großen Wert auf Markenkleidung und beurteilt Menschen danach. Sein Leben scheint leer und inhaltslos. Er ist rastlos und fühlt sich in Deutschland nicht wohl, was vor allem an der deutschen Vergangenheit im zweiten Weltkrieg liegt, welche er als große Belastung empfindet. Am Ende des Romans, als er nach Zürich reist, scheint es, als ob er endlich zur Ruhe kommen würde. Ihm gefällt das Land und er kann sich vorstellen, dort zu leben.

Im Umgang mit seinen vermeintlichen Freunden verhält er sich egoistisch und lässt diese im Stich, wenn sie ihn am meisten brauchen würden.

Der Roman ist geschrieben wie gesprochen. Man gewöhnt sich allerdings schnell daran und kann dadurch, in die (oft wirre) Gedankenwelt des Ich-Erzählers eintauchen.

An dem Roman hat mir besonders die bildhafte Beschreibung der Orte gefallen, die der Ich-Erzähler besucht. Ich selbst habe direkt Lust bekommen, ihm nachzutun, und in den nächstbesten Zug zu steigen, und zu schauen, wohin dieser mich bringen wird. Das Freiheitsgefühl, welches der Roman vermittelt, ist unglaublich ansteckend!

 

Alles in allem halte ich „Faserland“ von Christian Kracht für einen interessanten Roman, der zum Nachdenken anregt. Er thematisiert die Suche nach der eigenen Identität und die Sehnsucht nach Halt in der heutigen Gesellschaft. Zugleich kritisiert er aber auch Deutschlands Vergangenheit. Der Roman weckt Freiheitsgefühle im Leser und die Lust zum Aufbrechen und zum Reisen, zumindest in mir.

Mich würde sehr interessieren, wie euch der Roman gefallen hat, insofern ihr ihn natürlich gelesen habt.

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