Der Tod Gottes

Die Definition eines verrückten Genies

„Gott ist tot“
-Friedrich Nietzsche

Eins der berühmtesten Zitate aller Zeiten. Vielleicht auch das, welches am häufigsten fehlinterpretiert wird.
Das Bild eines grimmig schauenden Philosophen der in einer feurigen Rede proklamiert: „Gott ist tot“.

Es ist lediglich der Anfang einer viel längeren Aussage, die ein ganz anderes Bild zeichnet.
“Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder!“
klingt schon ganz anders, oder? Weniger feurig, weniger siegreich, fast schon ein wenig ängstlich.

Wovon spricht Nietzsche genau? Was macht ihm Angst?
Nietzsche meint nicht Gott als metaphysisches Wesen, was die Geschicke der Welt lenkt, sondern er spricht von der Idee Gottes.

Vor der Aufklärung war Gott der Dreh- und Angelpunkt eines menschlichen Lebens.
Die Mission in den Himmel zu kommen stand über allen Anderen.
Die Armen blieben arm und die Mächtigen mächtig, damit sie, wenn sie später an der Himmelspforte stehen, hereingelassen werden.

Mit der Aufklärung änderten sich die Spielregeln, der Mensch übernahm mehr Verantwortung.
Schrittweise schlich sich die Vernunft an die Spitze und stieß den Glauben als die wichtigste Tugend vom Thron.

All das blieb aber nicht folgenlos. Das Christentum war das Fundament der Gesellschaft.
Wenn die Basis deiner moralischen Vorstellungen wegbricht, was dann?

Nietzsche hat es mit einem Ozean verglichen. Die unendlichen blauen Weiten können einem Angst machen.
Die Orientierung ist unglaublich schwierig und oft verbringen Seeleute, Tage oder Wochen auf See ohne Land zu sehen.
Vergessen wir aber nicht die andere Seite des Ozeans: unendliche Möglichkeiten.
Neue Inseln entdecken, dem Sturm trotzen oder in dunkle Tiefen abtauchen.

Gottes Tod, so hoffte Nietzsche, würde dem Menschen die Möglichkeit geben, sich zu sich selbst zu bekennen.
Den Blick abzuwenden vom Jenseits und stattdessen sich auf dieses Leben zu konzentrieren.
Menschliche Schwächen abzuwerfen, sich aber gleichzeitig völlig zum Mensch sein bekennen.

So entwarf Nietzsche das Konzept des Übermenschen, dazu mehr in einem weiteren Beitrag.

                                                                                                                                                   

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